Mittendrin - Lebenswelten behinderter Mädchen und junger Frauen

Ein Modellprojekt stellt sich vor

Ausgangspunkt der Arbeit des Bundesverbandes für Körper- und Mehrfachbehinderte e.V. für und mit behinderten Mädchen und jungen Frauen war das in den Jahren 1998 bsi 2000 vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördertes Modellprojekt mit dem Motto "Mittendrin - Lebenswelten behinderter Mädchen und junger Frauen". Zielsetzung des Projektes war es, verschiedene Konzepte zur Aktivierung behinderter Mädchen und junger Frauen für die Teilhabe und die Mitwirkung in der Jugend- und Behindertenarbeit erarbeiten und erproben.

Den Auftakt des Projektes bildete ein Gestaltungswettbewerb unter dem Motto "Jung - weiblich - behindert?!", der dazu beigetragen hat, mehr über Lebenslagen und Lebensperspektiven behinderter Mädchen und junger Frauen zu erfahren. Die Ergebnisse wurden erstmals auf der Mädchenkonferenz 1998 in Würzburg erstmals präsentiert und können seither von Mädchen-/Frauenprojekten für die eigene Arbeit ausgeliehen werden. Neben der Ausstellung und Auszeichnung der Arbeiten aus dem Gestaltungswettbewerb wartete auf die Teilnehmerinnen der Mädchenkonferenz ein reichhaltiges Programm mit dem Auftritt einer Mädchenband und einem breit gefächerten Workshopangebot.

Im Anschluss an die Konferenz wurden in Zusammenarbeit mit zehn regionalen Einzelprojekten verschiedene Aktivitäten, die sich an den Wünschen und Bedürfnissen der beteiligten Mädchen orientierten, entwickelt und in die Praxis umgesetzt. Die Arbeit vor Ort wurde vom Bundesverband durch die fachliche Beratung, den Austausch der Projekte untereinander und die Durchführung von Arbeitstagungen begleitet und finanziell unterstützt. Zielsetzung der regionalen Projekte war es, Freiräume für behinderte Mädchen zuschaffen, in denen sie selbstbestimmt neue Handlungsräume entdecken, erproben und gestalten können. Auf diese Weise konnte das Selbstbewusstsein und das Selbstvertrauen der behinderten Mädchen gestärkt und sie zur Vertretung ihrer Interessen in koedukativen Gruppen befähigt werden.

Den Abschluss des Projektes bildete die Mädchenkonferenz 2000, die weitgehend von den beteiligten Einzelprojekten gestaltet wurde. Auf einer Matinee präsentierten die Teilnehmerinnen ihre Wünsche an die Zukunft einer breiten Öffentlichkeit.

Abschließend kann festgestellt werden, dass das Projekt auf unterschiedlichen Ebenen Wirkungen hinterlassen hat. Zunächst konnten auf regionaler Ebene eine Vielzahl von Mädchen-/Frauengruppen initiiert werden, die größtenteils über die Projektlaufzeit weiterbestehen. Es gelang, erste Ansätze zu einer geschlechtsspezifischen Arbeit in der Behindertenhilfe zu verankern. Mit der Projektzeitschrift MiMMi, einer Zeitschrift von und für Mädchen und junge Frauen mit und ohne Behinderung, wurde eine Plattform geschaffen, die Mädchen und junge Frauen selbst zu Wort kommen lässt und die auch bei Pädagoginnen in der Behindertenhilfe, aber auch zunehmend in der Jugendhilfe, auf Interesse stößt.

Da das Projekt auf eine große Resonanz gestoßen ist und verstärkt bundesweite Veranstaltungen wie die Mädchenkonferenz nachgefragt werden, hat sich der Bundesverband entschlossen, sich in einem Schwerpunkt auch weiterhin der Arbeit mit und für behinderte(n) Mädchen und junge(n) Frauen zu widmen.