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Perspektiven und europäische Modelle für Menschen mit schweren und mehrfachen BehinderungenDie Wohnung bietet dem Einzelnen Schutz und Raum für sein Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit und die Begegnung mit Anderen. Menschen mit schweren und mehrfachen Behinderungen sind, wenn sie die häusliche Gemeinschaft mit ihren Eltern aufgeben, in der Regel auf stationäre Heimeinrichtungen angewiesen. Gleichzeitig wird aber die früher gängige Unterbringung in großen Einrichtungen von Betroffenen und auch Eltern zunehmend in Frage gestellt. Gemeindenahe Wohnformen, die eine erleichterte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen, stehen im Vordergrund.
Dennoch bestimmen der umfassende Versorgungsauftrag der Einrichtungen, die personellen und organisatorischen Strukturen sowie die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen, nicht selten im größeren Maße die Lebensbedingungen im Wohnumfeld als die eigenen Wünsche und Bedürfnisse. Dieses Buch verdeutlicht durch Berichte Betroffener und die Dokumentation ihres Alltags, was ein "Leben unterm Pflegesatz" bedeutet, welche Einschränkungen der Wünsche, aber auch Möglichkeiten der individuellen Lebensgestaltung damit verbunden sind. Eindrucksvolle Fotos über drei typische Tagesabläufe schwerst-mehrfachbehinderter Menschen aus Nord-, West- und Süddeutschland im Innenteil des Buches - zusammengefasst unter dem Titel 3 x 1 Tag - untermauern diese Berichte. Die Bilder lassen die Spannung zwischen den Polen "Individualität und verordnete Gemeinschaft", "Arbeitsplatz und Lebensraum", "Selbstbestimmung und Fremdbestimmung", "Privatheit und ein Leben in der Öffentlichkeit", "Aussonderung und Teilnahme", deutlich werden.
Wohnformen aus der Bundesrepublik und sieben anderen europäischen Ländern sind Beispiel dafür, wie die Bedingungen gestaltet werden können, um ein Leben zu ermöglichen, das sich an den Zielen von Teilhabe, Integration und Selbstbestimmung orientiert. Damit sollen Impulse für die konzeptionelle Weiterentwicklung der Behindertenhilfe gegeben werden.
Zielgruppe: Menschen mit Behinderung, Eltern behinderter Kinder, MitarbeiterInnen aus Einrichtungen der Behindertenhilfe, insbesondere Wohneinrichtungen.